
Am vierten Jahrestag der umfassenden Aggression der Russischen Föderation gegen die Ukraine bringt der Vorstand der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung seine Solidarität mit dem ukrainischen Volk sowie mit allen zum Ausdruck, die die Folgen dieses Krieges tragen. Zugleich ruft er dazu auf, sich nicht von antieukrainischer Propaganda beeinflussen zu lassen und die Unterstützung für die Ukraine unvermindert fortzusetzen.
Die Ukraine schützt mit ihrer Verteidigung gegen die Aggression auch andere Völker Europas, die gesamte politisch-kulturelle Gemeinschaft des Westens und deren Werte. Sie verteidigt grundlegende Prinzipien der internationalen Ordnung, darunter die Unverletzlichkeit der Grenzen und das Recht der Völker auf Selbstbestimmung.
Daher sprechen wir den Streitkräften der Ukraine sowie allen ukrainischen Bürgerinnen und Bürgern, die sich auf unterschiedlichen Ebenen an der Verteidigung beteiligen – an der militärischen, informativen, kulturellen, bildungsbezogenen, medizinischen oder lebensmittelbezogenen Front – unsere tiefe Dankbarkeit aus.

Der deutsch-polnische Gesprächskreis der Kopernikus-Gruppe traf sich am 3. Dezember 2025 zu einer digitalen Sitzung. Das vorliegende Arbeitspapier „‚Es lohnt sich, anständig zu sein.‘ Die ‚humanitäre Geste‘ jetzt!“ fasst die gemeinsamen Überlegungen des Kreises zusammen. Prof. Dr. Peter Oliver Loew; Dr. hab. Robert Żurek; Darmstadt, Krzyżowa 16.12.2025
Arbeitspapier XXXVI der Kopernikus-Gruppe
„Es lohnt sich, anständig zu sein.“
Die „humanitäre Geste“ jetzt!
Die deutsch-polnischen Regierungskonsultationen fanden am 1. Dezember 2025 zum 17. Mal statt. Die Tatsache, dass sie stattfanden, ist generell erfreulich. Die gemeinsamen Bekenntnisse zu einer „tiefgreifenden und vertrauensvollen Partnerschaft“, gerade im Bereich der Sicherheits- und Verteidigungspolitik, sind zu begrüßen.
Leider gab es hinsichtlich der seit mehreren Jahren diskutierten „humanitären Geste“ für die letzten, maximal 50.000 noch lebenden Kriegsopfer in Polen immer noch keine Lösung. Die gemeinsame Erklärung beider Regierungen hält lediglich fest, dass die Bundesregierung „Möglichkeiten prüfen“ werde, weitere Unterstützungen zu leisten. In der Pressekonferenz der beiden Regierungschefs wurde Donald Tusk deutlich und versuchte, sein deutsches Gegenüber zu einer Lösung zu drängen: „Falls wir in dieser Frage keine eindeutige und schnelle Entscheidung bekommen, werde ich im kommenden Jahr in Erwägung ziehen dafür selbst aus eigenen Mitteln aufzukommen“.

Appell des Vorstands der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung
Angesichts des weiterhin anhaltenden russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine sowie der hybriden Kriegsführung in den europäischen Ländern und Gesellschaften ruft der Vorstand der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung die Öffentlichkeit zu erneuter und sichtbarer Solidarität mit den Ukrainerinnen und Ukrainern auf – mit jenen, die in ihrer Heimat unter schwersten Bedingungen ausharren, ebenso wie mit denen, die nach Polen, Deutschland und in andere europäische Länder fliehen mussten.
Die Geschichte Kreisaus verpflichtet uns zu diesem Appell. Das Erbe des Kreisauer Kreises, sein Einsatz für menschliche Würde, Frieden und Versöhnung, ist ein moralischer Maßstab, der uns gerade in dieser Zeit Orientierung gibt. Wie die Kreisauer Widerstandskämpfer einst in dunkelsten Tagen für eine gerechte und friedliche Zukunft Europas eintraten, so sind auch wir heute aufgerufen, den bedrohten und angegriffenen Menschen beizustehen – mutig, solidarisch und konsequent.

Für drei Tage im November wurde Kreisau/Krzyżowa zum Treffpunkt der Generationen, als ehemalige Pax-Christi-Freiwillige zurückkehrten, um 30 Jahre Partnerschaft zwischen Pax Christi und der Stiftung Krzyżowa zu feiern. Es war eine wunderbare Erinnerung daran, wie dieser Ort seit 1994 junge Menschen geprägt hat.
Die Atmosphäre an diesem Wochenende war etwas Besonderes. Menschen, die sich noch nie begegnet waren, sprachen miteinander, als würden sie sich schon lange kennen - verbunden durch die gemeinsame Erfahrung eines Freiwilligenjahres, das oft die Sicht auf die Welt verändert hat.
„Durch dieses Jahr hier in Krzyżowa wurde die Idee umgesetzt, dass vielleicht das Unterrichten als Beruf eine gute Sache wäre. Und genau das mache ich jetzt.“ - Sabine (ehemalige Freiwillige)
Lebenslange Verbindungen
Die Rückkehr von Freiwilligen aus verschiedenen Epochen - von 1994 bis 2024 - zeigte, wie das Programm persönliche Entwicklung, interkulturellen Dialog und dauerhafte Freundschaften gefördert hat. Viele Teilnehmer beschrieben Krzyżowa als wichtigen Meilenstein auf ihrem Lebensweg.
In offenen Diskussionen, Spaziergängen rund um den Palast und Gesprächen in unserem Café „U Hrabiego“ reflektierten sie über die Kontinuität von Krzyżowas Mission und die Werte, die sie Jahre später noch begleiten.
„Vor 10 Jahren hatte ich eine wunderbare Zeit mit so vielen neuen internationalen Freundschaften und neuen Erfahrungen.“ - Judith (ehemalige Freiwillige)