
Bevor wir final ein Projekt realisieren, liegen bereits Monate harter Arbeit hinter uns. Vor knapp einem Jahr haben wir, die Krzyzowa-Stiftung und unser Partner, die Kreisau-Initiative e.V., den NETTZ-Förderpreis gewonnen. Ausgezeichnet wurde das Projekt #CreatingSpace A digital future with ethics in mind. Der Ausgangspunkt für das Projekt war, dass wir als Bildungsträger in der politischen Bildung verstärkt den Bedarf sehen, politische Bildung und Medienkompetenz nicht mehr getrennt zu betrachten. Vielmehr gibt es einen klaren Handlungsbedarf, Medienkompetenz um eine digitale Medienethik-Kompetenz zu erweitern.
Zuerst der Preis, dann fand erfolgreich das Kick-Off Event im Dezember 2019 zu den Themen der digitalen Ethik in Kreisau statt. Voller Tatendrang gingen wir dann in die Konzeption, um die Projektreihe im Jahr 2020 fortzusetzen. Die Teilnehmer*innen wurden rekrutiert und die Finanzierung war gesichert und nanu, dann kam Corona und die Frage stand im Raum: Trauen wir uns, es online zu tun? YES!
Nach einem organisatorischen Marathon und dank der Flexibilität unserer Sponsoren, der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie der Teilnehmer*innen war nach einigen Tagen intensiver Arbeit das Konzept für das Online-Training fertig.
Nun folgt ein Interview mit Agnieszka Zeganska und Charlotte Lohmann, beide Bildungsreferentinnen der IJBS Krzyzowa, sie erzählen uns wie sie das Online Training erlebt haben. Das Besondere an dem Interview ist, dass es auf Deutsch und Polnisch geführt wurde, denn das ist die Realität, in der die IJBS in Kreisau arbeitet. In unserer täglichen Arbeit sind wir tagtäglich von verschiedenen Sprachen umgeben, die uns wie ein Kleidungsstück umgeben, das man gerne trägt. Man gewöhnt sich daran und will es nicht mehr ausziehen.
Weiterlesen: "Willkommen in der neuen virtuellen Wirklichkeit"
Sprachnotdienst aus Kreisau
19.05.2020, Lucyna Boryczko
Schon seit zwei Monaten wird im polnischen Schulsystem aus der Ferne gelehrt und gelernt. Ein großes Thema ist dabei die immer deutlicher sichtbare Spaltung der Gesellschaft und die Ausgrenzung, von der eine verhältnismäßig große Gruppe von Schülerinnen und Schülern betroffen ist. Dabei ist am häufigsten zum einen von Familien, die die erforderlichen technischen Geräte nicht besitzen und zum anderen von dysfunktionalen Familien die Rede. Es gibt aber leider neben den digital und den gesellschaftlich und ökonomisch ausgegrenzten auch noch andere Gruppen, die die negativen Folgen des Fernunterrichts empfindlich zu spüren bekommen. Darunter sind viele Schüler*innen mit Migrationshintergrund.
Um deren schwierige Situation zu verstehen reicht es darüber nachzudenken, wie der Fernunterricht in Familien aussieht, in denen die Eltern Polnisch sprechen. Vor unserem geistigen Auge (oder auch, falls wir Kinder haben, mit unseren Augen) sehen wir das einigermaßen witzige Bild der Bewohner*innen eines Haushalts, die sich, oft auf nur wenigen Quadratmetern, bemühen, ihren bisherigen Verpflichtungen nachzukommen – Arbeit und Lernen, aus Büros und Schulen mitgebracht in die häusliche Abgeschiedenheit. Das letzte erzeugt schon ein Lächeln auf unserem Gesicht. Wo ist sie geblieben, die Ruhe der häuslichen Geborgenheit. Eltern, oft unsicher, was die Zukunft bringt, versuchen um jeden Preis den beruflichen Pflichten nachzukommen – antworten auf Emails, nehmen Telefonate an, während sie praktisch zur selben Zeit kochen, Konflikte zwischen den Kindern schlichten und den Zugang zu den vorhandenen Computern managen. Zusätzlich müssen sie immer wieder die Rolle der Lehrkraft der eigenen Kindern übernehmen. Eine einfache Angelegenheit? Dann stellen wir uns jetzt einmal vor, dass wir nicht oder nur schlecht polnisch sprechen und unsere Kinder am Fernunterricht in genau dieser Sprache teilnehmen.
Woraus Inspiration schöpfen? Bildungsplattformen, die inspirieren
13.05.2020, Anna Kudarewska
Kreisau ist ein Ort, dessen Herz Bildung und Erziehung sind. Doch ist dabei, wie bereits im letzten Beitrag des „Pädagogischen Blogs” aufgezeigt, der Prozess das wichtigste. Und es ist uns sehr wichtig, die Teilnehmer*innen an diesem so wichtigen wie interessanten Prozess – Schüler*innen, Lehrer*innen, Eltern – auf unterschiedlichen Etappen zu unterstützen, durch das Aufzeigen neuer Wege, ungewöhnlicher Lösungen, interessanter Methoden oder inspirierender Materialien.
Wichtige Felder, in denen die IJBS in Kreisau aktiv ist, sind - neben der historischen und politischen Bildung – das interkulturelle und das globale Lernen. Seit einigen Jahren arbeiten wir mit Methoden, die auf diesen Feldern die formale Bildung erweitern, ergänzen und bereichern. Wir bieten auch fertige Lehrmaterialien und Unterrichtsentwürfe an und führen Schulungen durch, womit wir Lehrer*innen und Erzieher*innen unterstützen, die anschließend ihr Wissen an Kinder und Jugendliche weitergeben.
Wir möchten Ihnen zwei – von uns erstellte oder miterstellte – Bildungsplattformen empfehlen, die in der Zeit des durch die Pandemie erzwungenen Lernens aus der Ferne eine Hilfe sein können. Uns ist dabei wichtig, dass sie zwei in Zeiten der gesellschaftlichen Isolation sehr wichtige Themen behandlen – das globale und das interkulturelle Lernen.
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Mein Lernprozess. Nosce te ipsum
5.05.2020, Karolina Moroz
In allen Leitfäden zu Freiwilligenprogrammen wird als das wichtigste Ziel des Freiwilligendienstes der „learning process“ heraus gestellt. Dieser bezieht sich dabei auf die jungen Menschen, die sich entschließen, einen Freiwilligendienst zu leisten und um diesen Begriff herum sind die Aktivitäten der Freiwilligen und mit den Freiwilligen konzipiert. Dieser Learning process ist es auch, der während des Projekts und an seinem Ende aufmerksam evaluiert wird. Viel weniger Raum wird der gigantischen Dimension dieses Prozesses eingeräumt, der nicht nur die Freiwilligen umfasst, sondern alle, die zu irgendeinem Zeitpunkt mit ihnen oder von ihnen initiierten Aktivitäten in Kontakt kamen.
Die Koordinierung von Freiwilligenaktivitäten, in meinem Fall von Projekten des Europäischen Freiwilligendienstes, aktuell des Europäischen Solidaritätskorps, ist ein ununterbrochener Prozess des Lernens. Die Koordinierung scheint auf den ersten Blick eine Frage des Personalmanagements mit einer Prise Verwaltungstätigkeit zu sein, doch wenn ich einen genaueren Blick auf diese Tätigkeiten werfe, stellt sie vor allem eine Herausforderung dar die darin besteht, neuen Menschen zu begegnen und sie kennen zu lernen, sowie sich dabei mit sich selbst auseinander zu setzen.